Internet of WTF?

Woran denken Sie beim „Internet of Things“ (IoT, s. a. S. 6 ff.)? An vernetzte Spielereien, die unser Leben interessanter, leichter oder auch mal holpriger gestalten? Also exemplarisch betrachtet so was wie Alexa als virtuelle Sekretärin, die uns hilft, Dinge zu notieren oder zu erledigen – und die bisweilen „rumzickt“ oder uns partout falsch verstehen „will“?! Selbst wenn aus dieser Miss Moneypenny schnell eine Mata Hari werden könnte: Letztlich bleibt die Kontrolle in der Hand des Menschen – Stecker raus, Strom weg, „aus die Maus“ bleibt hier immer eine gangbare Alternative.

Oder denken Sie an Sensoren und Aktoren um uns herum – vom Auto über Fahrstuhl, Herzschrittmacher und Insulinpumpe bis zur Zentralsteuerung einer Smart-City? Hier wirds schon heikler: Wo „smarte Dinge“ für uns unsichtbar agieren, fehlen womöglich auch Eingriffsmöglichkeiten, wenn mal was aus dem Ruder läuft. Bisweilen sollen sie das sogar: Wenn neu entworfene Pkw bald ein automatisches Notrufsystem erhalten, das bei einem Unfall selbstständig Koordinaten übermittelt und eine Sprechverbindung zur Rettungsleitstelle aufbaut, dann soll das nicht vom „Wohlwollen“ des Fahrers abhängen – schließlich geht es ja auch um die Warnung Dritter, die in einem nächsten Schritt ebenfalls automatisiert werden dürfte. Schwarzseher sagen indessen, wir bauen eine Wanze mit Ortungssystem ein, die man nicht abschalten kann.

Wie immer kann Technik Fluch und Segen bedeuten. Ein fortgeschrittenes IoT vereint jedoch sehr schnell die Problemfaktoren, die wir in mehr oder minder klassischen IT-Systemen (noch nicht?) gelernt haben: eine immense Zahl von Geräten, hohe Komplexität, mehrseitige Ansprüche und Wünsche an Sicherheit und Funktionalität, großer Innovations- und Preisdruck und so weiter. Ein drohender Kontrollverlust kann in einer hochintegrierten Welt voller „intelligenter“ Dinge und Steuerungen aber besonders üble Folgen haben: Dabei braucht es keine böswillige KI à la Skynet – es genügt schon, wenn man sich zu stark auf Automatismen verlässt und Geschädigte etwaige Fehler nachweisen müssen oder „Kollateralschäden“ schlicht akzeptiert werden. Sobald der Mensch die Technik nicht mehr als Hilfe nutzt, sondern sich auf Gedeih und Verderb zu ihrem Erfüllungsgehilfen macht, wird es schnell riskant – umso mehr, wenn diese Technik mit der heißen Nadel gestrickt ist und möglicherweise von Dritten missbraucht werden kann.

Appelle an Hersteller und Warnungen an Anwender werden hier allein nicht genügen – zu groß sind die allseitigen Versuchungen und Verheißungen. Lösungen sind auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gefragt. Hier spielen wir als Fachleute eine wichtige Rolle in der Diskussion, der wir uns sowohl im Job als auch außerhalb stellen sollten.