Last-Minute-Panic

Ach, Last-Minute-Panic – Muse der Kreativen* und Krisenmanager. Wie oft hat uns dein heißer Kuss eiskalt erwischt? Und dann erweckt, beflügelt und gerettet. Warum nur lassen wir uns so gerne in deine längst nicht immer sanften Arme fallen? Liegt es schlicht an fehlenden Ressourcen, um zeitig zu beginnen? Oder brauchen wir einfach den Druck des dräuenden Endes, um endlich einen Anfang zu finden? Ist unsere Umgebung mitterweile zu komplex geworden, zu vielen schnellen Veränderungen unterworfen, als dass wir der nächsten Flut, die über uns hereinzubrechen droht, gut vorbereitet entgegentreten könnten? Verbrauchen wir zu viel Energie, um neue Wege zu suchen, dass uns die alten Baustellen immer wieder einholen? Und doch können wir nicht stillstehen, ohne an Ort und Stelle zu versinken.

Wie so oft, gibt es wohl keine einfache und schon gar keine universelle Anwort auf diese Fragen – nicht selten ist vermutlich an allem etwas Wahres dran und von allem etwas gleichermaßen Teil von Problem und Lösung. Nun sind wir aber weder im Feuilleton noch einer philosophischen Schule, sondern in Sachen Sicherheit unterwegs – wobei auch hier Kultur gefragt ist (s. S. 18 – und was wäre kultivierter als eine philosophische Selbstbetrachtung?). Dennoch brauchen wir auch Ergebnisse: Konzepte sind wichtig, aber ohne konkrete Maßnahmen bleiben sie nur schöne Theorie.

An dieser Stelle schließt sich womöglich der Kreis zum Kreativen: Wer beliebig lange denken, träumen und philosophieren kann, kommt womöglich nie zum Punkt**. Eine drohende Deadline „erdet“ gleichermaßen künstlerische Überflieger wie abgehobene Dauerplaner und holt sie aus dem realitätsfremden Wolkenkuckucksheim zurück auf den Boden der Tatsachen. Anders sieht es aus, wo die Flut zum Dauerzustand mutiert ist: Wer um sein Leben schwimmt, hat wenig davon, zum Grund zu tauchen ...

Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt jede Menge Aufgaben und Weckrufe. Dieser hier zielt auf die EU-Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO). Was „eben“ noch als Wolkengebirge am Horizont zu beobachten war (s. <kes> 2016#2, S. 54), ist mittlerweile fast schon hier – örtlich wird es aufklaren, anderswo kräftig gewittern. In gut einem halben Jahr endet jedenfalls die Übergangsfrist und nicht überall laufen entsprechende Projekte nach Plan (s. S. 55). Wie ist die Stimmung bei Ihnen?