Kultur und Kultiviertheit

Schon öfter war in der <kes> davon die Rede, dass die Informations- Sicherheit nicht nur als Prozess zu verstehen ist, sondern darüber hinaus auch eine Sicherheits-Kultur wünschenswert, hilfreich oder sogar notwendig sei. Zu all den Regeln und technischen wie organisatorischen Systemen soll also noch etwas hinzukommen – etwas, das offenbar gar nicht so leicht zu fassen ist, wie die verschiedenen Ansätze zur Definition zeigen, die uns Experten geliefert haben (s. S. 67).

Es sollte wohl auch mehr sein als nur Wissen, Awareness oder andere „Fortbildungserfolge“ bei Mitarbeitern, Kunden, Bürgern und sonstigen Menschen, die mit Information in Berührung kommen – mehr womöglich noch als „ein System von Regeln und Gewohnheiten [immerhin!], die das Zusammenleben und Verhalten von Menschen leiten“, wie eine engere Definition von „Kultur“ lautet, welche die Wikipedia Cecil Helman zuschreibt.

Vielleicht kann man sich nach dem Ausschlussprinzip nähern? Der Extremfall der sogenannten (chinesischen) „Kulturrevolution“ hat jedenfalls deutlich gezeigt, wie es nicht geht: Wo ein autoritärer Herrscher versucht, eine „Kultur“ per Dekret und mit Gewalt durchzusetzen, wirft das die betroffene Gesellschaft letzten Endes weit zurück.

Deutlich weniger extrem geht es bei „Kulturbanausen“ zu: Derart Geschmähten unterstellt man einen Mangel an Intellekt, Feingefühl oder Bildung – hier kommt also schonmal ein „Gefühl“ ins Spiel, was vermutlich auch der Security bisweilen gut täte. Schlaumeier können der Wikipedia zudem entnehmen, dass sich unser heutiges Wort von der im antiken Griechenland üblichen Bezeichnung bánausos ableitet, mit der letztlich (unter anderem) abwertend benannt wurde, wer körperlich statt geistig, eher handwerklich als künstlerisch arbeitete.

Den Künsten begegnet man auch, wenn man sich mit Kulturgütern befasst: Das „immaterielle Kulturerbe“ umfasst nach Definition der UNESCO „Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume […], die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen“. Neben vielen anderen (Un-)Dingen gehören dazu auch soziale Praktiken, Rituale und Feste – nicht zuletzt also vieles, was Menschen verbindet, was Gemeinschaft ausmacht.

Und wäre es nicht auch schön, wenn sich die Informations- Sicherheit sogar im Sinne einer „Kultiviertheit“ manifestieren würde? Der Duden nennt diesen Begriff ebenfalls als Synonym zur „Kultur“ – außerdem aber auch zu: Chic, Eleganz, Feinheit, Schliff und Verfeinerung. Vielleicht kann das ja der (über-)nächste Schritt sein?!