Makroviren

Siehe auch Eindring-Erkennungssystem, Firewall, Hacker, Hoaxes, Internet, Kettenbriefe, Malware, Scriptviren, Tiger-Team, Trojaner, Viren, Würmer

Makroviren sind eine Untergruppierung der Computerviren. Diese -->Viren werden nicht in einer Programmiersprache wie z.B. Assembler erstellt, sondern mit der Makrosprache, die in großen Büroanwendungen implementiert ist. Makros sollen dazu dienen, wiederkehrende Abläufe zu automatisieren und den Anwender von Standardtätigkeiten zu entlasten. Mit der Makrosprache können aber auch Computerviren erstellt werden, also Programme, die sich selbst reproduzieren. Derzeit sind mehr als 5000 Makroviren bekannt. Sie stellen derzeit die größte Gefahr unter den Computerviren dar. Denn Makroviren nisten sich in den Dokumenten ein, die mit dem Anwendungsprogramm erstellt werden. Werden diese infizierten Dokumente, z.B. eine Textdatei weitergegeben (Rundschreiben, Benachrichtigung etc.), wird auch der darin befindliche Makrovirus verteilt. Makroviren können sich durch Nutzung dieses Transportmechanismus sehr schnell verbreiten. Makroviren haben eine stärkere Grundlage als z.B. die inzwischen veralteten Dateiviren. Sie sollten daher keinesfalls unterschätzt werden. Selbst wenn nicht gleich die Festplatte gelöscht oder Passwörter ausspioniertwerden: Der Schaden, den ein Makrovirus verursachen könnte, der z.B. in einer Tabellenkalkulation Zahlenwerte vertauscht oder verändert, dürfte enorm sein und auch zu hohen Folgeschäden führen.

Manchen Viren, wie z.B. der 1999 aufgetretene Melissa-Virus oder der im folgenden Jahr grassierende "Loveletter", gehen noch einen Schritt weiter. Sie versenden sich selber per eMail an andere Personen. Melissa gelang es so, in Deutschland ganze Firmen zu verseuchen, bevor man wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen konnte. "Iloveyou" hatte sich in weniger als 48 Stunden um die ganze Welt verbreitet. Bei manchen Unternehmen musste zeitweise die eMail abgeschaltet werden, Zeitungen erschienen nur in Notausgaben. Als Urheber des Melissa-Virus wurde ein Amerikaner ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt. Iloveyou war von den Philippinen aus auf die Reise gegangen.

Schutz gegen Makroviren bieten in erster Linie die etablierten Anti-Virenprogramme an. Aber auch die Büroanwendungen selbst haben inzwischen zahlreiche Schutzfunktionen. Diese müssen nur durch den Anwender aktiviert bzw. genutzt werden. So wird z.B. eine Warnmitteilung ausgegeben, wenn ein Dokument geöffnet werden soll, welches einen Makro enthält. Der Anwender kann dann entscheiden, ob er dieses ausführen möchte oder das Dokument öffnen will, ohne dass der Makro aktiviert wird. Generell empfiehlt es sich auch, ein wachsames Auge auf eingehende eMails zu haben. Erwartet man beispielsweise keine Nachricht vom Absender oder stellt der "Betreff" keinen relevanten Bezug zur Tätigkeit dar oder ist er gar in einer anderen (für den Absender untypischen) Sprache verfasst, so kann diese eMail ggf. eigenständig durch einen aktiven Computervirus versandt worden sein. Da die genannten Makroviren jedoch die Adressbücher eines weit verbreiteten E-Mail-Programms nutzten, schienen sie von einem bekannten und vertrauenswürdigen Absender zu kommen.

Bei Zweifeln empfiehlt es sich, beim Absender nachzufragen, ob er wirklich dies eMail abgeschickt hat. In vielen Firmen gilt inzwischen die Regel: Attachments erst auf Diskette speichern, dann mit einem Virenscanner checken, dann auf einem Rechner ohne sensible Daten öffnen. Angesichts eines Schadens durch "Iloveyou" von schätzungsweise 2 Milliarden DM in Deutschland und mehreren Milliarden Dollar weltweit erscheint solche Vorsicht nicht übertrieben.
(Neu aufgenommen am 1.6.2000)

(Dombach, Ralph, Sicherheitsberater, München )